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Zur Oscarverleihung

Toni Erdmann
D 2016, 162 Min, digital

R: Maren Ade

D: Peter Simonischek, Sandra Hüller, Michael Wittenborn, Thomas Loibl, Trystan Pütter, Hadewych Minis, Lucy Russell, Ingrid Bisu


Fr 24.2.17, 22:30 Uhr
Sa 25.2.17, 20:30 Uhr
So 26.2.17, 20:30 Uhr
Mo 27.2.17, 20:30 Uhr

 


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Eine wunderbare Komödie über einen liebenswerten Alt-68er, der verkleidet als Geschäftsmann aus Amerika, seine Tochter, eine Karrierefrau, am Schauplatz ihres Wirkens, eine Unternehmensberatung in Bukarest, besucht…

„Es geht aber nicht nur um eine Vater-Tochter-Geschichte, sondern auch um den (post)modernen Kapitalismus, das Verhältnis von Zentrum und Peripherie in Europa und
um Sexismus in der Arbeitswelt.“ Filmdienst


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Europa

Je lutte donc je suis - Ich kämpfe also bin ich OmU
E/F/GL 2015, 88 Min, Dokumentarfilm,

R: Yannis Youlountas

Mit: Eric Toussaint, Stathis Kouvélakis, Juan Gordillo

In Anwesenheit der Griechenland Solidarität mit anschl. Diskussion

Fr 24.2.17, 19:30 Uhr

 

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„Der Dokumentarfilm beschäftigt sich mit den Folgen der Finanzkrise, die sich besonders auf die südeuropäischen Länder auswirkt. Der Fokus ist auf die Menschen in Spanien und Griechenland gerichtet, die am meisten unter den verordneten Sparmaßnahmen zu leiden haben.
Doch aus Resignation wird schnell Widerstand, der unterschiedliche Bevölkerungsschichten zusammen bringt.
Eine fröhliche und solidarische Meeresbrise von Barcelona nach Athen und von Andalusien nach Kreta, stößt die Wolken des Pessimismus zurück. Eine spannende Reise mit Musik, von einem zum anderen Ende des Mittelmeeres.“


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Zum Frauentag:

Drehort: West-Berlin,
80er Jahre, Ulrike Ottinger`s Berlin Triologie

Bildnis einer Trinkerin
D 79, 107 Min, 35mm,

R+B+K: Ulrike Ottinger
B: Ila von Hasperg
M: Peer Raben

D: Tabea Blumenschein, Lutze, Magdalena Montezuma, Orpha Termin, Monika von Cube, Paul Glauer, Nina Ha gen, Kurt Raab, Volker Spengler, Eddie Constantine, Wolf Vostell u.a.

Fr 3.3.17, 19:30 Uhr
Sa 4.3.17, 22:30 Uhr

 

 

 


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„Eine reiche und mondäne Frau („Sie“) zieht nach Berlin, um sich dort ganz dem Alkoholismus hinzugeben. Sie will ihre Vergangenheit vergessen, vielmehr verlassen, wie
ein abbruchreifes Haus." Drehbuchauszug
[…] Die namenlose Lady rauscht in Tegel ein wie eine Science-fiction Fee im aseptischen Glas-, Beton-und Neon-Märchenland. Ein Koffer bricht auf, ein Getränkewagen geht zu Bruch; ein Zwerg, ein Diebstahl, Polizei, drei hochnäsige Kongreßteilnehmerinnen.
'Berlin Tegel Realität'. Lapidar registrierte Vorfälle, kleine Desaster, befremdliche, bedrohliche Warnsignale […] Berlin oder die Topographie des Fusels [...]: attraktive Tristesse wie in den schlimmsten Ecken Brooklyns, rührende Promenadenmischung aus Zille und Las Vegas. So liebevoll und erschreckend und wahrhaftig ist diese Stadt im Film noch nicht porträtiert worden […]Wolf Donner, Der Spiegel, Nr. 48, 1979

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Zum Frauentag:

Drehort: West-Berlin,
80er Jahre, Ulrike Ottinger`s Berlin Triologie

Freak Orlando
D 81, 126 Min, 35mm,

R+B+K: Ulrike Ottinger,
S: Dörte Völz,·
M: Wilhelm, D. Siebert,

D: Magdalena Montezuma, Delphine Seyrig, Albert Heins, Claudio Pantoja, Hiro Uschiyama, Galli, Eddie Constantine, Else Nabu, Therese Zemp, Franca Magnani, Jackie Raynal

Am 4.3. in Anwesenheit von Ulrike Ottinger

Fr 3.3.17, 22:30 Uhr
Sa 4.3.17, 19:30 Uhr

 

 

 

 


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„Die Stationen des Orlando von den Anfängen der abendländischen Unvernunft in der Antike über das Mittelalter, das 18. Jahrhundert, die Jahrhundertwende und die Gegenwart sind als 'Histoire du monde' zu werten. Jenes 'teatrum mundi', das früher nach dem Spielplan Gottes agierte, wird jedoch als 'circus mundi' entlarvt, unter dessen einstmals theologischem Baldachin sich abstruse Wunsch- und Angstträume, wilde Geißlergemeinschaften, willfährige Justiz der Kirchen und Könige gleichermaßen sammelten. Daher bedeuten die Metamorphosen Orlandos nicht nur abenteuerlichen Aufbruch, sondern sie sind zumeist von Mord, Gefangennahme, Verfolgung, lnquisition ausgelöst. Es wird bewußt, daß Orlando in seinen Streifzügen durch den Wahnsinn der Geschichte zugleich Gefangener seines eigenen Aufbruchs ist. Die fünfte Episode beschließt Orlando als weibliche Entertainerin auf einem 'Festival der Häßlichen', das tatsächlich, wie die Reporterin (Franca Magnani) zu berichten weiß, jährlich in Italien abgehalten wird. Auf diesem werden die zeitgenössischen Schönheitsideale ebenso nahtlos integriert wie die Politiker als Juroren. Der Wettbewerb der Außenseiter wird zu einem Tanz des Wahnsinns, der vergegenwärtigt, daß der Mensch um seiner Eitelkeit willen fähig ist, Häßlichkeit als Schönheit, Lüge als Wahrheit, Gewalt als Recht, Verkrüppelung als 'natürliche' Norm zu akzeptieren. Die Doppelbödigkeit dieser 'Kriterien' wird umso deutlicher, da der perfekt dressierte und angepasste Normalbürger als Sieger aus diesem Festival hervorgeht. Die Norm wird gekrönt. Der Narrentanz endet in idyllischer Hollywood-Happy-End-Musik, der Romanze zwischen dem Bunny und dem Gewinner des Wanderpokals. Der Spott des Wahnsinns unterhöhlt diese Szene, die ironische Verfremdung entlarvt diese Norm als realitätsnahe apokalyptische Erscheinung […].Wie sollte diese Reise Orlandos je beendet sein, da doch der Wahnsinn noch unter uns ist und die Apokalypse als Entertainment noch nicht an Attraktivität verloren hat!

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Zum Frauentag:

Drehort: West-Berlin,
80er Jahre, Ulrike Ottinger`s Berlin Triologie



Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse

D 84, 150 Min, 35mm,

R+B+K: Ulrike Ottinger,
S: Eva Schlensag,
M: Peer Raben, Patricia Jünger,

D: Veruschka von Lehndorff, Delphine Seyrig, Tabea Blumenschein, Toyo Tanaka, Irm Hermann, Magdalena Montezuma, Barbara Valentin, Luc Alexander, Hanno Jochimsen, Fritz Ewert, Joachim von
Ulmann u.a.

 


So 5.3.17, 20:00 Uhr
Mo 6.3.17, 20:00 Uhr

 

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„Der Titel legt die Karten auf den Tisch. Es geht um ein Spiel, in dem eine Figur mit Methode und Medium verstrickt wird. So beginnt keine Geschichte, wie sie das „Leben“ erzählt, das im Film gerne behauptet, ungeschönt in den Alltag zu greifen und Rohstoff auf die Leinwand zu bringen. So beginnt eine Geschichte der Kunstfertigkeit, die sich in jedem Augenblick bewußt ist, daß sie einen "Film" erzählt. Nicht die Geschichte ist hier der Rohstoff, sondern Ton und Bild. Ottingers Filme sind Ausdruck des Prekären im Maße, wie sie immer auch ihre Kunstfertigkeit betonen. Bei Fritz Lang war Mabuse ein Mann, ein Falschspieler, ein Falschgeldproduzent. Bei Ulrike Ottinger mutiert Mabuse zur Frau und Bewusstseinsproduzentin, die nichts als den Schein in Umlauf bringt und am Ende sich mit der Phantasmagorie der vollkommenen Herrschaft über ihr Medienprodukt Dorian Gray betrügt. Eine Gefangene des eigenen Wahns, ein Opfer technisch angezettelter Gefühle, die nicht länger dauern als es braucht, ein Fernsehbild abzutasten. Die Meisterin wird Opfer ihres Meisterschülers, und der Meisterschüler avanciert zum Meister des Medienkonzerns.“ Karsten Witte, Frankfurter Rundschau

»Der bemerkenswerteste Film, den ich bislang (bei der Berlinale) sah [...] Eine monströse, manchmal anstrengende, immer eigenwillig-phantastische Bilderrevue [...] Von Versuchung zu Versuchung, vom Taumel zum Schrecken. Zwischendurch öffnet sich ein Vorhang, und wir blicken auf eine bizarre Felsenküste, wo eine seltsame Oper gespielt wird. Ein Film anders als andere.« Ulrich Greiner, DIE ZEIT

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„Am Ende vom Film, 1984, geht Dorian Gray durch die unterirdische Kanallandschaft von Berlin in die Schaltzentrale der Macht des Medienkonzerns. Langsam packt er ein Messer aus einem verschnürten Paket, springt auf den Konferenztisch und ersticht Frau Dr. Mabuse, die Chefin des Medienkonzerns, vor den versammelten Medienvertretern, die gerade dabei waren ihre aktuellen Auflagenzahlen zu berichten. In der nächsten Szene befinden wir uns auf dem Friedhof, ein Kamel führt den Trauerzug an. Frau Dr. Mabuse verneigt sich vor demGrab „Dorian, für mich lebst du weiter.“ Nächste Szene: Dorian Gray liest den Daily Mirror mit der Schlagzeile „Dorian Gray tot“ und sagt zu seinem Diener Hollywood: „Stoppen Sie alles, ... Ich möchte die Geschichte zu Ende diktieren.“ Im Abspann kommt Frau Dr. Mabuse noch einmal zu Wort und fragt: „Warum musste ich meine begabtesten Schüler immer umbringen?“

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Blick auf West-Berlin -
36 Jahre Regenbogenfabrik

„Kreuzberg SO36 in den 70er und 80er Jahren“
Diashow mit Fotos vom Bildarchiv Umbruch und vom Friedrichshain-Kreuzberg Museum




Do 9.3.17, 19:00 Uhr

 


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Wie sah es damals im Bezirk aus und wie ist es zum „Mythos Kreuzberg“ gekommen?
Für alle, die das schon immer wissen wollten und für alle, die sich wieder erinnern möchten.

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Drehort: West-Berlin,
80er Jahre

Baby
BRD 1984, 114 Min, 35mm,

R+B: Uwe Frießner,
M: Spliff,

D: Udo Seidler, Reinhard Seeger, Volkmar Richter, Andreas Adam, Klaus Enkow, Andreas Hanft, Albert Henning, Jürgen Hügli, Siegfried Kiehnapfel, Wolfgang Marczynski, Christine Wagner, Sylvia Woiciechowski

Am 10.3.in Anwesenheit von Uwe Frießner

Fr 10.3.17, 19:30 Uhr
Sa 11.3.17, 22:00 Uhr
So 12.3.17, 19:30 Uhr
Mo 13.3.17, 20:30 Uhr

 

 

 

 


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Baby träumt von einem eigenen Fitness- und Kraftsport-Center. Die Realität aber ist die triste Bunker-Architektur des Märkischen Viertels, in der kein einziger sozialer Kontakt gedeiht, und der schlecht bezahlte Rausschmeißer-Job in einer Disco am Ku’damm. Und da er nicht der Typ ist, geduldig zu warten bis er das nötige Kleingeld hat, ist er schon mal anfällig für die Verlockungen des schnellen Geldes und lässt sich gerne von seinen Freunden zu kleineren Gaunereien überreden. Aus Kleinen werden aber erfahrungsgemäß schnell Größere und so ist es nur eine Frage der Zeit...

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Drehort: West-Berlin,
80er Jahre

Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo
BRD 1981, 131 Min, 35mm,

R: Uli Edel,

mit Natja Brunckhorst, Thomas Haustein u.a.

 

Sa 11.3.17, 19:30 Uhr
So 12.3.17, 22:00 Uhr

 

 

 

 


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Verfilmung des gleichnamigen Buches an Originalschauplätzen im West-Berlin der 80er Jahre gedreht. Hervoragend kann man hier die Veränderung einer Stadt z.B. am Bahnhof Zoo sehen.

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West-Berlin -
36 Jahre Regenbogenfabrik

„Das ist unser Haus“ - Eine Geschichte der Hausbesetzung
Buchvorstellung,
Lesung mit Kai und Barbara Sichtermann
Aufbau Verlag 2017

 

Di 14.3.17, 20:00 Uhr

 

 

 

 


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Kai Sichtermann, Gründungsmitglied der legendären Band Ton Steine Scherben, war mittendrin. Gemeinsam mit seiner Schwester, der Publizistin Barbara Sichtermann, befragte er nun die wichtigsten Protagonisten von damals. Sie erzählen, wie alles anfing, was die Bewegung bewirkte und welche Kämpfe die Hausbesetzer im Laufe der Jahrzehnte ausgefochten haben.

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36 Jahre Regenbogenfabrik

Solidarische Ökonomie - 30 Jahre Arbeit am Regenbogen
Berlin 2011, 40 Min,

ein Film von Anne Frisius,
K: Astrid Vogelpohl, Ute Freund

In Anwesenheit einiger Protagonisten

Do 16.3.17, 19:00 Uhr


 


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Im Kinder-, Kultur- und Nachbarschafts-Zentrum Regenbogenfabrik, Berlin geht es seit 1981 um selbstbestimmtes Leben und Arbeiten. Von freier unbezahlter Mitarbeit bis Einheitslohn bleibt das gleiche Stimmrecht der Ausgangspunkt. Eine enge Verflechtung mit dem Kiez ist Ziel und Grundlage zugleich. Die allgemeine Politik jedoch zielt auf Einzelverantwortung und Unternehmertum: wie also überleben als Gemeinschaftsprojekt? Woher kommt das Geld?

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Drehort: West-Berlin,
80er Jahre

Hopnick West-Berlin, nähe Ost-Berlin
BRD 1989, 60 Min, 16mm,

R: Detlef Buck,

mit: Detlev Buck, Sophie Rois, Roger Heereman, Hans-Erich Viet u.a.




Fr 17.3.17, 20:00 Uhr
So 19.3.17, 19:30 Uhr

 

 


 


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Hopnick sitzt an einem geschlossenen Grenzübergang in West-Berlin am Ende der Stadt, um den wenigen heranfahrenden Autofahrern zu sagen, dass sie eine andere Strecke nehmen müssen. Es fehlt ihm was. Irgendwie Bewegung oder so. Eine Party ändert alles...

Der Film entstand 1989 noch vor der Wende als Bucks Abschlussfilm an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb).
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Drehort: West-Berlin,
80er Jahre

Pochmann
BRD 1989, 85 Min, 16mm,

R: Horst Markgraf,

mit Oskar Roehler u.a.

Am 20.3.in Anwesenheit von
Horst Markgraf

So 19.3.17, 21:00 Uhr
Mo 20.3.17, 19:30 Uhr

 

 

 

 


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"Paul Pochmann ist Fernfahrer und bekommt in seinem Leben nur wenig auf die Reihe. Ständig verliert er seine Jobs und muss sich neue suchen. Nicht selten wird er dabei auch in kriminelle Machenschaften verwickelt. Als er Inez Maiberg kennen lernt, wird jedoch alles anders. Er ist in sie verliebt, will mit ihr zusammen sein und macht ihr Geschenke. Als die Zeitschriftenverkäuferin seine Gefühle jedoch nicht erwidert und ihn sogar verspottet, dreht er durch."

Gedreht wurde 1988 in Kreuzberg und Charlottenburg, ein Streifzug durch das West-Berlin der 80er Jahre.

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36 Jahre Regenbogenfabrik

Geburtstagsparty
mit dem Frauenchor Judith‘s Krise und DJ Carsten

Sa 18.3.17, 20:00 Uhr

 

 

 

 


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Text von Marten Köhler zu 25 Jahre Regenbogenfabrik*

*Seht, das ist eine wahre Geschichte*

(Hans Christian Andersen: „Die Prinzessin auf der Erbse“)

13. März 1981:

Once upon a time there was a tavern,
Where we used to raise a glass or two
Remember how we laughed away the hours
And dreamed of all the great things we would do.

Die Geschichte der Besetzung der Regenbogenfabrik fing vielleicht nicht unbedingt in einer „Taverne“ an, aber die letzten Vorbereitungsgespräche fanden am Abend des 13. März 1981 in einer Kneipe statt, denn das Treffen musste schließlich konspirativ sein. (Jeder, der etwas auf sich hielt, nahm ja an, dass der Verfassungsschutz nicht nur sein Telefon abhörte, sondern auch gleich die ganze Wohnung „verwanzt“ hatte). Es war
denn auch so konspirativ, dass ich sogar den Namen des Lokals vergessen habe. Aber dass das Vorgehen für den „Besetzungsakt“ besprochen wurde, weiß ich noch, und dass wir viel gelacht und von großen Taten geträumt haben.

Doch auch dieser Abend ging einmal zu Ende und nach ein wenig Schlaf
fing am folgenden Tag die offizielle Geschichte der „Regenbogenfabrik“ an.

14. März 1981:

Those were the days my friend
We thought they’d never end
We’d sing and dance forever and a day
We’d live the life we choose
We’d fight and never lose
For we were young and sure to have our way

Natürlich war uns klar, dass wir nicht ewig „singen und tanzen“ konnten, aber die Zeit während und kurz nach der Besetzung war doch wie ein großer Rausch: Akzeptiert von der großen Mehrheit der Anwohner, in Ruhe gelassen von der Polizei, die uns glaubte, dass die Besetzung schon länger zurücklag – nach der „Berliner Linie“ durfte ein Haus, das länger als 24 Stunden besetzt war, nicht mehr von der Polizei geräumt werden –
konnten wir daran gehen, uns den Traum von der „Selbstverwirklichung“ und der Symbiose von „Leben und Arbeiten“ zu erfüllen. Dass ein langer und dorniger Weg vor uns lag, ahnte kaum einer.

Die erste Zeit nach der Besetzung:

Then the busy years went rushing by us
We lost our starry notions on the way

So ein „Besetzeralltag“ hat es in sich: Die Wohnungen waren durch den langen Leerstand zum Teil in einem verheerenden Zustand, es gab jede Menge Schutt zu entsorgen, die Eigentümer machten Druck, um uns wieder loszuwerden, neben dem Wohnhaus musste auch die Fabrik wieder auf Vordermann gebracht werden. „Nebenbei“ wollten auch noch die eigenen Kinder versorgt werden und es gab damals sogar noch Leute, die einen
Arbeitsplatz hatten. Niemand wusste, ob sich das alles lohnen würde, ob sich unser Projekt halten könnte. So blieb es nicht aus, dass einige Menschen vor lauter Stress das Handtuch warfen und das Projekt wieder verließen. Es soll auch nicht verschwiegen werden, dass diese Prozesse nicht immer ohne Schuldzuweisungen abliefen.

Gab es innerhalb des Wohnhauses die Schwierigkeiten, sich „etagenmäßig“ zusammen-zufinden, so waren auf der „Fabrik“ durchaus unterschiedliche Auffassungen vorhanden, wie das Gelände und die Gebäude genutzt werden könnten. Doch eines war klar: Für die vielen Straßenkinder, die damals diesen Block bevölkerten, musste etwas getan werden. Und besonders der große Raum im ersten Stock des Fabrikgebäudes bot sich für kulturelle Veranstaltungen jeder Art an. „Wenn die Kultur stirbt, beginnt die
Gewalt“. (Zitat Klaus Hoffmann, Sänger und Schauspieler.) Und selbstverständlich sollte die Nachbarschaft von unseren Aktivitäten profitieren. „Der Revolutionär muss sich im Volk bewegen wie der Fisch im Wasser“(Mao). Die „geographische“ Lage der Gebäude war der Block 109 im Zentrum Berlins in Kreuzberg „SO36“ Und da das Symbol des Regenbogens ohne Zweifel – für Schönheit steht und – Hoffnung signalisiert, hatte unser Projekt denn auch schnell einen offiziellen Namen: Ach so: Als Verein mussten wir uns natürlich auch eintragen lassen:

“Kinder-, Kultur- und Nachbarschaftszentrum Regenbogenfabrik Block 109 e.V.“

Neben den Beziehung(skist)en musste auch die Außendarstellung gepflegt werden, mit-hin das, was heutzutage Public Relations, kurz: PR genannt wird. Das heißt, wir mussten allen möglichen und unmöglichen Leuten klarmachen, dass wir nicht nur intelligent und schön, sondern auch notwendig (oder wenigstens wichtig) waren. Der harte Verhand-lungsweg begann: “You can´t always get, what you want“ (Rolling Stones). „Das“
wussten wir. „All or nothing“(Small Faces) war eine schöne Parole, praktikabel war sie nicht. Wir konnten die Fabrik nur retten, indem wir auf einige von uns besetzte Gelände-teile und Gebäude verzichteten. Die bitterste Pille in diesem Prozess war zweifelsohne die Räumung des „Lausehauses“, ein geplantes gemeinsames Wohnprojekt für Menschen deutscher und türkischer Herkunft. Eigentlich hatten wir bereits die Unter-stützung der damaligen Ausländerbeauftragten Barbara John. Unsere PR hatte geklappt. Aber als Frau John von der „Illegalität“ der Sache erfuhr, bekam sie doch kalte Füße, so dass das „Lausehaus“ geräumt wurde. (Angeblich soll es ihr heute Leid tun: „Frau John, antworten Sie!“)

Noch schlimmer war nur eins: Wir waren ziemlich zerstritten: Welche Bedingungen können wir noch akzeptieren, welche nicht? (Die „Grünen“ in ihrer Anfangsphase lassen grüßen.) Aber verhandeln mussten wir, wenn unser Projekt weiter leben sollte. (Nebenbei kochte die Gerüchteküche ganz gewaltig, so dass es plötzlich hieß, das nächste Objekt auf der Räumungsliste wären entweder der „Kuckuck“ oder die „Regenbogenfabrik“.)

Es gab immerhin 1983 noch einen gemeinsamen Ausflug nach Bonn, den wir nutzten, unser zu braves Image loszuwerden.

Erst nach einer „Spaltung“ mit vorübergehendem Auszug und späterer Rückkehr eines Großteils der Besetzer ließen die innerparteilichen Querelen etwas nach. Wir packten jetzt die dringend notwendige Instandsetzung und Modernisierung des Hinterhauses an. Der nächste Kraftakt, „viele, viele Stunden Selbsthilfe“ waren jetzt angesagt.

Ich fasse mich kurz: Der jahrelange Arbeitsstress hat sich gelohnt. Von den jetzigen Bewohnern äußert momentan niemand Auszugsgedanken, im Gegenteil: Jeder möchte die Früchte seiner Arbeit genießen.

Und nun wieder der Bogen zur Fabrik: Wir können nicht behaupten, wir hätten keine Unterstützung gehabt. Im Gegenteil: Abgesehen von der bereits erwähnten Unterstützung durch die Nachbarschaft standen auf unserer Seite: Die Internationale Bauausstellung (im Folgenden kurz „IBA“ genannt) und wichtige Stellen des Bezirksamtes und des Senats. Von allen offiziellen Seiten wurde unsere Arbeit anerkannt. Als dann auch noch per Gerichtsbeschluss die Abrisspläne und Neubaupläne der Investoren Vogel/Braun („Wohnbau Design“) gestoppt wurden, waren wir schon am Jubeln. (Damals schon: Im Jubeln, beziehungsweise Feiern waren wir schon immer gut.)

Etwas zu früh gefreut:

Die Hinterlassenschaft des Vorbesitzers, der Chemiefabrik Albert Carl, hatte es in sich: Der Boden der Fabrik war (und ist es noch ) total verseucht. Zwar wurde er 1982 auf zwei Meter Tiefe total ausgetauscht, doch wollten weder Senat noch Bezirk Geld in ein derart kontaminiertes Gelände investieren. Weil wir plötzlich wieder völlig perspektivlos
waren, beschlossen wir im Januar 1992 eine Neubesetzung. Eine Maßnahme, die Wirkung zeigte. Im März selbigen Jahres kaufte der Senat das Gelände. Zuvor schon hatten wir einen langfristigen Mietvertrag für das Hinterhaus und den Seitenflügel ausgehandelt. Dementsprechend kann man das Jahr 1992 durchaus als unser „Durchbruchsjahr“ bezeichnen.

Andererseits fiel justement zu diesem Zeitpunkt dem Senat ein, dass er eigentlich überhaupt kein Geld, sondern nur Schulden hatte. (Das ist zwar nicht nur ein Problem des Senats, ich zum Beispiel habe das seit Jahrzehnten. Der Verfasser.) Immerhin gab es keinen Rückzieher, was die Miete betrifft, aber Kürzungen im Kinder-, Jugend- und Sozialbereich, die uns schwer zu schaffen machten. Wie sollten wir die von uns mühsam
aufgebauten Projekte ohne Finanzierung weiterführen? Nun, anders als der Senat, der recht einfallslos seine Fördermittel einstellt, dachten wir uns: wir machen einfach „noch“ mehr aus unseren Möglichkeiten. So entstanden seitdem: Eine deutsch-polnische Begegnungsstätte, neue Musikübungsräume, Gästezimmer, eine Kantine und viel mehr. Wir wurden Hauptdarsteller einer Schulfernsehsendung der Reihe „Ökologo“ mit dem
Titel „Unser kleines Dorf“. Und wir sind zum Teil Schauplatz eines Oscar verdächtigen Films mit dem Titel: „The Constant Gardener“

Zwischendurch haben wir auch immer wieder die Zeit zum Feiern gefunden

Fazit: Wir haben vor 25 Jahren angefangen, dem herrschenden System etwas
entgegenzusetzen, wir haben Rückschläge erlitten, aber auch Erfolge erzielt.

Das System existiert noch.

Wir aber auch!

Wir haben Kinder in die Welt gesetzt und großgezogen, aber auch den Verlust guter FreundInnen erleiden müssen.

Wir haben keine Revolution geschafft, uns aber Freiräume geschaffen und zumindest wohnungspolitische und sozialpolitische Denkanstöße gegeben.

Und wenn uns sonst niemand dafür feiern will, dann feiern wir uns halt selbst!

Aber Du bist herzlich eingeladen.

Oh my friend we’re older, but no wiser,
For in our hearts the dreams are still the same

Sämtliche kursiv gedruckte Texte stammen aus dem Lied „Those were the days“,
Text und Musik: Gene Raskin, gesungen von Mary Hopkins, 1968.

*Marten Köhler*

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